Wie das Land, so die Küche:
Voller unerwarteter Kontraste, voller Lebensfreude, Intensität und Vielfalt.
Der seit den 80er Jahren populär gewordener Begriff der Fusion Cousine ist für die georgische Küche seit Jahrhunderten eine Selbstverständlichkeit. Als ein Land zwischen Orient und Okzident, zwischen Europa und Asien und auf der Route der großen Seidenstraße wurde Georgien immer wieder durch verschiedene Kulturen bereichert und hat trotzdem seine Einzigartigkeit bewahrt. Die Spuren der verschiedenen Einflüsse sind in der Küche wie in der Kultur des Landes wieder zu finden. Die feinsten Gewürze aus dem Orient, die Kunst der Fleischverarbeitung aus dem Okzident und die unverwechselbaren Aromen von Gemüse, Obst und Kräutern, die dem fruchtbaren Boden und vielen Sonnenstunden zu verdanken sind, ergeben eine aufregende Synthese. Auf dem Balkon Europas- wie Georgien genannt wird- sorgen sowohl Natur als auch Kochkünste für besondere geschmackliche Erlebnisse. Die traditionellen Rezepte werden von Generation zu Generation weiter gegeben und wie Heiligtümer gehütet. Die georgische Küche bietet sowohl Fleischliebhabern als auch Vegetariern und Veganern eine große Auswahl an kulinarischen Köstlichkeiten. Seien es intensiv gewürzte farbenfrohe Vorspeisen, bei denen Auberginen, Walnüsse, frischer Koriander und Granatapfelkerne ohne jegliche tierische Zutat sich zu einer exotischen Komposition fügen oder zarte Fleischspieße, die auf den Ästen der Weinreben gegrillt und mit Mirabellensauce und Fladenbrot gereicht werden, ganz zu schweigen vom berühmt – berüchtigten Chatschapuri, mit Käse gefüllten butterweichen Teigtaschen, die im Mund zu schmelzen scheinen.
Zu den georgischen Speisen ist der georgische Wein ein Muss. Dieser wird immerhin seit 7000 Jahren in diesem Land angebaut. Wer dennoch auf Alkohol verzichten möchte, sollte unbedingt die –im Jahr 1887 vom Apotheker Mitrophane Lagidze erfundene- Estragonlimonade probieren, auch wenn hierbei eine Suchtgefahr besteht.

Tinatin Ghughunishvili
Kunsthistorikerin